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Qualitative Naturforschung

Die Methodologie einer wissenschaftlichen qualitativ-empirischen Erforschung von Natur nennen wir im weitesten Sinne „Qualitative Naturforschung“ (QNF). So unbekannt qualitative Forschung in den heutigen Natur- und Agrarwissenschaften als Methodologie ist, so naheliegend sind die Argumente für eine solche Methodologie.

Die heutigen Natur- und Agrarwissenschaften sind methodologisch gesehen deduktiv-nomologisch oder quantitativ ausgerichtet. Aus Theorien werden Hypothesen formuliert und in einem Experiment überprüft. Der Input wird variiert, der Output gemessen und statistisch verrechnet. Zahlen und Daten sind kennzeichnend. Ergebnisse sind wissenschaftlich gesichert, wenn sie statistisch valide sind. Die Standardisierung und die Erzeugung von ceteris paribus Bedingungen macht das Experiment auswertbar. Das Ziel ist Validität, Reliabilität, und Objektivität. So erfolgreich dieser Ansatz ist, so lautet doch ein Vorwurf, dass dieses Vorgehen reduktionistisch ist. Die Natur selbst bleibt in der Blackbox des Versuchs und wird in ihrer Eigenart gar nicht thematisiert. Der Alltag von Natur, die Situationsabhängigkeit und Eingebettetheit von Natur, allgemein gesprochen, der natursoziale und lebendige Kontext von Natur, ihre Handlungsfähigkeit/Agency sind hier kein Thema.

Die Möglichkeit Natur qualitativ, d.h. direkt, unmittelbar, gar im Einzelfall zu erforschen ist bisher weitestgehend unbearbeitet. Traditionen, die dies anraten, sind meist außeruniversitär verortet oder in philosophische und theoretische Diskurse verstrickt. Praktische und auch nützliche Forschungsergebnisse sind bis heute rar. Umwelt- und Klimakrise und Artensterben zeigen die Endlichkeit unserer Ressourcen und unseres Planeten an. Neue methodologische Perspektive sind notwendig.